Garmin eTrex Legend HCx – Erfahrungsbericht
Nun da ich das Gerät immerhin schon 2 Monate intensiv nutze, dachte ich mir, spreche ich mal von Erfahrung und versuche vielleicht einigen unentschlossenen Gesellen ein wenig Hilfe bei der Kaufentscheidung zu liefern. Vergleichenderweise werde ich mal das kleinere (und halb so teure) eTrex H ranziehen, da ich dieses vorher mal für ein paar Wochen ausgeliehen hatte.
Ich beziehe mich übrigens speziell auf’s Geocaching als Nutzung, obwohl man damit auch einfach so navigieren kann, Wanderrouten erstellen, bei OpenStreetMap mitmachen, usw.
Design/Verarbeitung
Hierbei geht es nicht nur um Optik. Sowas kann man schlecht bewerten, da Geschmackssache. Schaut einfach auf das Bild. Mir gefällt’s jedenfalls, was unter Anderem an der Farbe liegt. Nicht grau in grau, wie beim Vista HCx, aber auch nicht so grell gelb wie beim kleinen H. Auch wirkt es sehr stabil und kompakt, obwohl es – im Vergleich zu modernen Handys – gar nicht mal so kompakt ist. Es ist dicker. Mindestens 3x so dick wie mein Samsung D900 und in Kombination mit der Gürteltasche hat man schon einen ordentlichen Brummer dabei. Aber stellt euch mal vor, das Teil muss Signale von vier* Satelliten in 20.183 km Höhe empfangen. Das muss man erstmal so klein kriegen! Dafür liegt es dann auch deutlich besser in der Hand und wirkt, wie gesagt, auch sehr stabil.
Es gibt leider viele Berichte, dass die Gummierung rund um das Gerät nach einiger Zeit gerne mal unten aufreisst und dann hat man nur noch einen klebrigen Lappen in der Hand. Das eTrex H von meinem Cacherkollegen Manibo hat genau dieses Problem und das ist wirklich nicht witzig. Man sollte also immer vorsichtig beim Öffnen der Schutzklappe vorgehen, wenn man das Verbindungskabel einsteckt. Dort befindet sich nämlich auch die berüchtigte „Naht“.
Bedienung
Im Gegensatz zum eTrex H ist die Bedienung dank des Jog-Dials hier sehr angenehm. Die Eingabe von Koordinaten geht deutlich schneller von der Hand. Außerdem kann man beim Legend für Wegpunkte auch mehr als 6 Ziffern nutzen, was sonst zu Problemen führen kann, wenn nämlich eine ganze Serie von Caches bis auf das letzte Zeichen gleich benannt sind.
Auf den ersten Blick könnten die vielen Menüs erstmal verwirrend wirken, man gewöhnt sich aber recht schnell daran. Es gibt ja auch viele Funktionen.
Technik
Die Verbindung zu den Satelliten empfinde ich als deutlich besser als beim kleinen eTrex H. Man kann problemlos auch in Häuserschluchten und dichten Wäldern spazieren, ohne dass die Verbindung abbricht oder komplett ungenau wird. Einmal musste ich eine Cache-Tour allerdings frühzeitig beenden, weil wegen zu dichter Bewölkung einfach kein Satellit gefunden wurde.
Leider existiert im Legend kein richtiger Kompass. Bei Eingabe neuer Koordinaten muss man erst einmal ein Stückchen laufen, damit Norden auch nach Norden zeigt. Kleiner Tipp dazu: Wenn man zusätzlich noch einen echten Kompass dabei hat, kann man das GPSr von Hand so drehen, dass die Himmelsrichtungen stimmen und sieht so erstmal die richtige, ungefähre Richtung.
Auch plötzliche 180 Grad Wendungen können das Legend kurzzeitig verwirren, aber das ist nicht so schlimm, denn dann kennt man ja die Richtung bereits ;-)
Der Energieverbrauch ist spitze. Das Gerät kommt mit nur zwei AA-Batterien eine halbe Ewigkeit aus. Gemessen habe ich das nicht, aber ich habe jetzt erst das zweite Paar drin und das ist noch nicht einmal bei der Hälfte angelangt. Und das mit aktiviertem Tracking.
Features
Schön finde ich die Möglichkeit, Karten auf das Gerät zu laden. Dies kann in Form von kostenpflichtigen Garmin-Karten passieren, oder zahlreiche freie Karten von OSM, die auf verschiedenen Websites – direkt für Garmin Geräte vorbereitet – zum Download angeboten werden. Die kostenlosen Varianten sind allerdings meistens nicht Routing-fähig, und wenn dann nur sehr eingeschränkt. Wer also darauf Wert legt, muss wohl ein bisschen Zaster springen lassen. Ich persönlich bin mit den Topo-Karten von osm4you sehr zufrieden (Update: Downloads leider nicht mehr erreichbar). Manche Wege sind noch nicht eingezeichnet, aber das hält sich in Grenzen. Karten ersparen einem jedenfalls sehr häufig riesige Umwege, falls man z.B. plötzlich auf einen Bach stößt und die einzige Brücke 500m weiter liegt. Mit einer Karte sieht man sowas natürlich vorher schon. Und schick sind sie auch noch. Das kleine eTrex H kann keine Karten.
Auch kann man beim Legend eine microSD-Karte einstecken, auf die man neben größerer Karten auch die Tracking-Funktion verlegen kann. Das Tracking bietet unter anderem die Möglichkeit an der Karte von OSM direkt mitzuhelfen, ist aber auch einfach interessant anzusehen, wenn man die zurückgelegten Strecken nachher in Google Earth importiert.
Fazit
Soviel dazu. Als Fazit kann ich nur sagen, dass ich sehr zufrieden mit dem Legend HCx bin und finde, dass die kleinere Version zu schnell an die Grenzen stößt und durch die grelle Farbe auch deutlich mehr Aufmerksamkeit erregt ;-)
Also greift besser etwas tiefer in die Tasche und kauft euch für 152 Euro das Legend. Es bietet genau das was man braucht, ist robust und gut zu bedienen.
*Man könnte meinen, es reichen drei Satelliten, um die genaue Position zu bestimmen, aber das stimmt nur in der Theorie. Praktisch gesehen brauchen GPS-Empfänger in den meisten Fällen noch einen vierten, um die Laufzeit der einzelnen Signale zu berechnen. So ganz hundertprozentig habe ich das noch nicht verstanden, aber das ist mir auch relativ egal. Wer mehr wissen will, schaut bei Wikipedia nach.
12 Kommentare
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Max schrieb am
Na tacho, watn Bericht ;)
Dass die Gummierung reißt habe ich noch nicht gehört, nur dass der Kleber irgendwann nicht mehr klebt. Das hat auch zur Folge, dass sich der Gummi leicht längt und dann auch mit neuem Kleber, oder besser Doppelseitigen Klebeband, nicht mehr so gut sitzt. Bei mir hält sich das mit der Länge zum Glück in Grenzen und die Lösung mit dem Klebeband ist auch wesentlich sauberer. Es ist nur ärgerlich, dass es nach noch nicht mal 9 Monaten nötig war, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.
Vor meinem Legend HCx hatte ich das alte eTrex yellow (noch ohne H), die Farbe ist zwar grell, aber eben auch so auffallend, dass man es im tiefen Gras etc auch schneller wiederfindet. Hätte im Prinzip auch nix dagegen, aber das Graublau gefällt mir auch besser als das Beige vom Vista.
Bei der Stromversorgung bin ich schnell von meinen alten normalen Akkus auf Eneloop umgestiegen und bin immer noch sehr begeistert von der Laufzeit.
Rein von der Geometrie braucht es wirklich nur 3 Satelliten für die Koordinaten, nur für den ersten Fix sollten es mindestens 4 sein.
Jason schrieb am
Eneloops will ich mir auch mal anschaffen, die sollen ja der Knaller sein. Brauche dann auch halt noch ein vernünftiges Ladegerät, das mir die Akkus nicht nach ein paar Ladungen kaputt macht.
Habe bisher immer alles mit Batterien versorgt. Wird aber langsam echt mal Zeit dass ich mir Akkus hole. Auch für meine Wii-Controller ;)
Max schrieb am
@Jason: gibt doch auch Eneloop-Packs inkl. Ladegerät. Hab mir ja kürzlich auch noch n Schnäppchen geschossen. Aber prinzipiell muss man ja nur drauf achten, dass die Ladegeräte geregelt sind, die sind auch nicht mehr so teuer.
Felix schrieb am
Ich bin immer so stolz auf mein H und du redest so gemein davon. :(
Jason schrieb am
@Felix: :D
Naja, es ist ja auch ok und cachen geht auch damit. Man merkt halt nur schnell, dass da noch mehr geht. Beim Legend fehlt mir bisher nichts.
Trixi schrieb am
Hi,
danke für diesen Testbericht, ist sehr hilfreich!
Grüße Trixi :)
Reinhard schrieb am
Hallo Jason,
danke für deinen ausführlichen Testbericht. Vielleicht kannst du mir eine Frage beantworten, die in aus den bisher gefundenen Testberichten nicht beantworten konnte.
Kann das eTrex gleichzeitig die Richtungsangaben eines abzufahrenden Tracks anzeigen und den tatsächlich gefahrenen Track aufzeichnen ?
Grüsse
Reinhard
Jason schrieb am
@Reinhard: Die Frage (wenn ich sie richtig verstanden habe) kann ich dir leider nicht sicher beantworten, da ich die Routingfunktion bisher nicht nutzen konnte (nutze ja nur die Topo-Karte ohne Routing).
Ich vermute aber, das sollte problemlos möglich sein, da Tracking und Routing zwei voneinander völlig unabhängige Funktionen sind.
Routing ist die abzufahrende Strecke, wie es in Autonavis zum Einsatz kommt und Tracking ist das Aufzeichnen der gefahrenen Strecke. Auch rein von der Leistung des Geräts sollte das gehen, denke ich.
Peter schrieb am
Bedienungsanleitung etrex VISTA HCx
Gibt es eine Ausführlichere Bedienungsanleitung als die auf der Garminseitte ???
Jason schrieb am
Die Auswahl an Handbüchern auf der Garmin-Homepage ist doch sehr umfangreich: http://www8.garmin.com/support/userManual.jsp?market=3&subcategory=38&product=010-00630-00
Dort gibt es u.a. das komplette Handbuch, welches auch mit dem Gerät mitgeliefert ist, zum runterladen und darin fehlt meiner Ansicht nach nichts.
Daniel Küng schrieb am
Hallo
Die osm for you gehen nicht mehr.. Kannst du mir vielleicht deines schicken?
Jason schrieb am
Da ich die Datei nicht mehr finde, hab ich sie mal wieder vom Gerät runterkopiert und hier hochgeladen: http://dl.dropbox.com/u/103953/gmapsupp.img
Weiß aber so aus dem Stehgreif nicht mehr wie weit die Karte geht. Ich glaube aber ganz Deutschland müsste drin sein.
Ich hoffe das hilft. Schade dass osm4you nichts mehr hergibt.